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Interview mit dem bekannten Yogalehrer und Speaker Max Strom

Max Strom erzählt mir vom Friedenfinden in Deiner Yoga-Praxis.

Was ist es, das unzählige Städter antreibt, so hart an ihrer Yoga-Praxis zu arbeiten? Obwohl Scharen von Leuten sich Yoga aus Gesundheits- und Heilgründen widmen, fühlen sich Schüler sehr oft von extrem physischen, athletischen Yoga-Stilen angezogen, zwingen ihre Körper dabei in ihre Vorstellung vom Yoga-Olympioniken und ringen sich in einen nassen, schwitzenden Haufen. Es ist fast als ob der Geist dieser Personen mit ihrem eigenen Körper in einen griechisch-römischen Ringkampf tritt. Somit versuchen viele die gleichen aggressiven Hilfsmittel einzusetzen, die wir aus der Geschäfts- und Sportwelt kennen, obwohl sie eigentlich nach Frieden suchen:
• Aushalten
• Kraft
• Einschüchtern
• Dominieren
• Gewinnen

Da diese Methoden in der Geschäfts- und Sportwelt gelehrt werden, ist es verständlich, dass viele Leute versuchen, die gleiche Geisteshaltung in ihrer Yoga-Praxis anzuwenden aber funktioniert das? Unsere Körper ändern sich, aber sind wir glücklicher? Das Dilemma, was die Yoga-Philosophie nahelegt ist, dass ein ständiger Zustand des Bemühens, des Greifens und des Zielsetzens im Yoga nicht nur kontraproduktiv ist, sondern sich letztendlich zerstörend auf unseren Geist auswirkt.Diese aggressiven Hilfsmittel in jeder Hinsicht unseres Lebens anzuwenden, ist wie einen Hammer für jede Tätigkeit zu benutzen, inklusive Zähneputzen.

Selbst wenn unser Körper versucht uns mitzuteilen, dass wir zu weit gegangen sind, rechtfertigen wir unsere häufigen Erkältungen, Grippen und Kopfschmerzen als akzeptable Nebeneffekte und Opfer für unsere Karriere. Den unausgesprochenen faustischen Deal, den wir mit uns selbst machen, ist, dass wir glauben, durch das Opfern von Gesundheit, Schlaf und Glück im heute, etwas soviel Bedeutsameres im morgen zu gewinnen: Macht, Respekt, Geld und Stellung. Wir überzeugen uns selbst, dass, wenn wir diese Ziele erst einmal erreicht haben, wir dann den längst überfälligen Urlaub nehmen, wir dann schlafen können, wir es dann langsamer angehen lassen und mehr Zeit mit unseren Familien verbringen können, und wir dann glücklich sein werden.

Das Problem ist, dass unsere Kinder nicht auf uns warten - sie wachsen auf, während wir jeden Tag lange und spät arbeiten. Unsere Gesundheit lässt nach, was sich oftmals in kuriosen Symptomen wie Verdauungsstörungen, schwerer PMS oder Hautrötungen manifestiert, die wir versuchen, durch Medikamente verschwinden zu lassen. Und die Gefahr, die wir alle insgeheim fürchten, ist, dass zu dem Zeitpunkt, an dem wir am Gipfel der Leiter angekommen sind, unsere Kinder erwachsen sein werden und uns kaum noch kennen, unsere vernachlässigten Partner nicht mehr an uns interessiert sein werden, unsere Gesundheit ruiniert sein wird, und besonders schreckenerregend, unsere Leiter an der komplett falschen Wand lehnt.

Aufgrund dieser Syndrome sind viele von uns eingesperrt und halten die Anspannung im Körper und Nervensystem auf dem Niveau von Kriegsveteranen. Deshalb malmen wir nachts mit unseren Zähnen. Deshalb wachen wir um 3 Uhr nachts auf und können nicht wieder einschlafen. Ist es schlecht, hart zu arbeiten? Im Gegenteil, die Yoga-Weisen sagen, dass harte Arbeit eine Tugend ist, solange, wie sie Teil unserer Transformation ist, nicht die Vermeidung derer. Warum sollten wir dann mit diesem besessenen Drang in eine Yoga-Klasse gehen und hoffen, neue Resultate zu erlangen, während wir die gleichen, alten dysfunktionalen Systeme nutzen? Die Antwort ist, dass wir es nicht können. Wir können nicht die gleichen Methoden benutzen, die uns angespannt und besorgt machen, um zu lernen, wie man entspannt und wie man nicht-besessen wird.

Dieses Dilemma zu lösen ist ein Prozess des Neusetzens von Prioritäten unserer Ziele. Wenn wir anerkennen, dass wir vor allem erfüllt und glücklich sein möchten, müssen wir bereit sein, mehr als nur Muskelgewebe zu transformieren. Yoga scheint vorwiegend körperlich zu sein, aber was es radikal vom westlichen Training unterscheidet ist, dass Yoga zur Harmonisierung beiträgt und zwar:
• des Geistes: Intension, mentaler Fokus, Selbstbefragung. Lernen, zwischen reinem Bewusstsein und Objekten des Bewusstseins zu unterscheiden.
• der Seele: Atem und emotionaler Fokus. Dies beinhaltet die Konzentration auf das Gefühl, die Beziehung zu seinem höheren Selbst, oder Hingabe zu Gott, in welcher Form auch immer.
• des Körpers: Das Einbeziehen eines körperlichen Regiments inklusive Bewegungen und Positionen, die uns Lebenskraft und Willen durch unser gesamtes Sein hindurch einflößen.

Transformation kommt, wenn wir die Anstrengung in allen drei Säulen gleichzeitig unternehmen: Körper, Geist und Atem (Seele). Wenn alle drei sich harmonisieren, beginnen wir uns selbst tiefer zu erfahren, und wir werden zufällig auch stärker, flexibler und ruhiger. Wir schlafen sogar friedlich die Nacht durch.

Hier ist ein Leitfaden, wie man eine bedeutsamere Praxis und ein friedlicheres Leben erreicht:

Intention:
Die erste Sache, die es zu tun gilt, ist deine Augen zu schließen und dich auf deine Intention zu fokussieren. Mit anderen Worten, strebe etwas an. Widme deine Praxis einem bedeutungsvollen Wechsel, den du in deinem Leben hervorrufen möchtest. Beispiele könnten Friede, Vergebung oder Geduld sein. Es gibt ein altes Sprichwort, das besagt, dass wenn du nichts anstrebst, du dies auch sicher erreichen wirst. Aber wenn du deinen Geist und dein Herz in eine Richtung bringst, gibt das deinem Handeln große Kraft. Deine Spiritualität, wie auch immer du sie definierst, kann in deinen Körper eingeflößt werden und dein Körper strahlt aus, wer du von deiner Seele aus bist und wofür du in dieser Welt stehst.

Atem:
Sei ehrlich. Ein Grund warum wir Angst haben tief zu atmen ist, dass wir tief im Inneren wissen, dass Atmung mit unseren Gefühlen verbunden ist. Wenn wir uns gestresst fühlen und nicht sehr stark auf unsere Gefühle achten, kann tiefes Atmen furcht-einflößend erscheinen. Somit halten wir unsere Atmung klein und flach und fahrig, egal wie oft unser Yoga-Lehrer sagt: Atme tief. Das kann zwei Arten von Katastrophen herbeiführen: Eine ist Krankheit, über Jahrzehnte nicht ausgedrückter Kummer kann Krankheiten wie Krebs hervorbringen. Die zweite ist, dass wir unsere Beziehungen zerstören können. Wir tendieren dazu die Leute, die wir lieben am meisten zu verletzen, da wir unsere eigenen emotionalen Wunden mit uns herumtragen, die für das untrainierte Auge unsichtbar sind. Stelle dir vor jemanden zu umarmen, der offene Wunden unter seiner Kleidung hat, die dir nicht bewusst sind. Seine Reaktion wäre die eines verwundeten Tieres, das ausschlägt. Wenn wir also bewusst die Yoga-Atmung dazu benutzten zu heilen, heilen wir diese versteckten Wunden. Auf diese Weise können Atemübungen unser Leben verändern, da sie unser Verhalten verändern, und das wirkt sich auf all unsere Beziehungen aus.

Asana:
Übe deine Asanas (Positionen) mit Fokus auf deinen Atem. Atme in dein Herzzentrum, atme Licht ein die Lungen komplett füllend - und atme die Vergangenheit, das was du nicht länger benötigst, aus. Wenn du eine spirituelle Praxis hast, benutze dein eigenes visuelles Bild von Gott oder deinen eigenen Namen von Gott. Atme ein, als wenn du die Energie von Gott einatmest. Atme alles aus, was nicht nützlich ist. Atme in deinen gesamten Körper ein, während du in der Position bist, ob du dich bewegst oder ob du die Position in Stille hältst.

Wenn du dich überwältigt oder müde fühlst, ruhe dich lieber aus, als dass du dich weiter antreibst. (Sogar Maschinen müssen ruhen.) Erlaube dir, dich in einer eineinhalbstündigen Praxis mindestens 4 Mal in Kinder-Position zu begeben. Lerne den Unterschied zwischen einem Radikalzustand und einem Ruhezustand. Viele leistungsorientierte Menschen kennen nur das Konzept: Alles oder Nichts. Erforsche den Raum zwischen Null und Zehn. Versuche einen Level Sieben, nicht Zehn. Dies wird in dir Sensibilität, Geduld sowie Güte entwickeln.
Bewege Deinen Fokus weg vom äusseren hin zum inneren Körper

Um wirklich die Art und Weise wie wir praktizieren zu ändern, müssen wir zunächst einmal aufhören, uns mit uns und anderen zu vergleichen bzw. zu messen und anfangen, uns jenseits von Gedanken zu bewegen, wie unser Körper aussieht. Viele von uns glauben, dass, wenn wir nur ein bisschen dünner wären, ein bisschen hübscher oder ein bisschen besser aussehen, dann wären unsere Probleme gelöst.

Unglücklicherweise, wenn wir von unserem Aussehen besessen sind und damit ziel-orientiert umgehen, tauschen wir einen Satz von Problemen gegen einen anderen ein. Wir mögen unser körperliches Ziel erreichen, aber uns weiter weg bewegen von Freude und Zufriedenheit. Der besessene Drang scheint uns überallhin zu bringen, außer zum Glück und das mag vielleicht der Grund dafür sein, dass Antidepressiva und Medikamente, die Geschwüre bekämpfen, die zwei am besten verkauften Medikamente in den USA sind.

Eine der magischen Gaben des Yoga ist es, dass, was immer du dir selbst auferlegst und wie du in deiner Yoga-Praxis wächst, du auch in der Außenwelt anwenden kannst. Dadurch, dass du deinen Geist im Yoga fokussierst, verbesserst du deinen Fokus bei der Arbeit. Während du im Yoga geduldiger mit dir und anderen wirst, wirst du auch geduldiger zuhause. Während du im Yoga freudvoller wirst, wirst du auch freundvoller wo immer du auch bist. Stelle dir vor, ein besserer Mensch zu werden und einen gesünderen Körper zu bekommen, das ist der Nebeneffekt.

Und bedenke: wenn das Meistern einer Yoga-Position genug wäre, uns zu spirituellen Meistern zu transformieren, dann würden die Leute in Scharen zu den Artisten im Cirque de Soleil laufen, um sich spirituellen Rat zu holen. Die körperlichen Positionen allein machen uns nicht unbedingt zu einem glücklicheren, spirituelleren und zufriedeneren Menschen. Aber wenn jemand inspiriert ist von der Absicht zu transformieren, und wir aus dieser Absicht heraus atmen, dann beruhigt sich der Geist und das energetische Herz-Zentrum beginnt sich zu öffnen. Wenn das passiert, entsteht Anmut und Wandel. Die Yoga-Positionen und der Atem sind Werkzeuge, um uns zu erneuern. Das Ziel ist es nicht, uns Fesseln anzulegen – wir sind eindeutig bereits gefesselt. Die Absicht ist es, die Knoten in unseren Herzen aufzuschnüren. Das Ziel ist es, uns mit der ultimativen, liebenden und friedlichen Kraft des Universums zu vereinen.

Es gibt eine wunderbare Metapher aus der Yoga-Tradition, die lebhaft die Misere des durchschnittlichen Menschen schildert und den Weg zu einem bedeutsameren Leben aufzeigt. Es ist das Gleichnis von der Kutsche. Die Kutsche repräsentiert den Körper. Die Pferde, die die Kutsche ziehen, repräsentieren die Gefühle. Der Fahrer ist der Geist und der Fahrgast ist die Seele (Atman). Die Geschichte erzählt, das der Zustand des durchschnittlichen Menschen wie folgt aussieht: die Kutsche ist in einem schrecklich reparaturbedürftigem Zustand, die Pferde sind ungezähmt, der Fahrer ist unkonzentriert und halb betrunken und der Fahrgast schläft. Der Fahrgast, ein König oder eine Königin, schläft und träumt davon, ein Bauer zu sein. Yoga, so wird gesagt, repariert die Kutsche (den Körper), zähmt die Pferde (die Gefühle), ernüchtert und fokussiert den Fahrer (den Geist) und weckt letztendlich den Fahrgast (die Seele) auf. Die Seele erinnert sich dann an ihre wahre Bestimmung und instruiert den Fahrer, welchen Kurs es zum endgültigen Bestimmungsort zu nehmen gilt. Das ist das Ziel von Yoga, alles darunter ist lediglich Bewegung. Namaste

Mehr über Max Strom

Max Strom
Er ist Yogalehrer und Innovator und gehört zu den meist geachteten Transformations- und Yogalehrern auf 3 Kontinenten. Aufgrund der wachsenden Nachfrage, reist Max sehr viel um Yoga zu lehren und Vorträge über persönliche Entwicklung, Spiritualität und Yoga zu halten. Seit 2008 hat er sein einzigartiges System in 9 Ländern und 35 Städten bereits vorgestellt, damit Yogaschüler die Chance auf ein glücklicheres, gesünderes und selbstbewussteres Leben haben.
© Max Strom.

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von Andrea Danke

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